Per Te
Seelenverwandt

Nun sitze ich hier alleine, die Lichter gehen langsam aus, alle Alltagsgeräusche schaffen nun Platz für die Stille und mein Körper ruht sich aus. Mein Kopf fühlt sich seltsam leer an und doch muss ich ihn an der Fensterscheibe stützen. Das Glas ist furchtbar kalt, eine ideale Bedingung um klare Gedanken zu bekommen. Ein kalter Schauder läuft mir über den Rücken, am bloßem Gedanke alleine zu sein. Doch bin ich alleine? Das Wort ist so absurd – in unserer Stadt leben über 10.000 Menschen, auf der ganzen Welt sind wir ca. 6 Milliarden. Überall leben um mich herum Menschen und dennoch... Ich bin einsam. Niemand steht bei mir, hält meine Hand und bewundert mit mir die Lichter zwischen den Dächern der Stadt. Niemand raubt der Anblick der Sterne den Atem, keiner spürt die in meinem Herzen lodernde Flamme. Ich fühl mich wie ein Geist: sieht alles und jeden und keiner sieht ihn. Kaum schließe ich müde meine Augen, da seh ich sie bereits: Dutzende, hunderte – ja sogar tausende Gesichter. Immer wieder suche ich eins das mir ähnelt, doch nicht etwa in der Augen-, Lippen-, oder Wangenform. Eins mit matten Augen die jeglichen Glanz verloren haben, mit Trauer, Wut und Angst auf den Lippen. Eins das wie meins von Alltagslasten ergraut ist, eins das wie meins leidet. Neben mir liegen Stapel von Blättern, meine Finger streifen sie und eine explosion der Gefühle bricht in mir aus. Was sind denn schon Buchstaben, unordentlich gemalte Zeichen? Aus Wörtern bilde ich Sätze, aus Sätzen Geschichten. Mit Geschichten fülle ich Bücher die dann Erinnerungen beim Leser hinterlassen. Meine Gedanken ihm zeigen. Für einen Moment packt mich ein unbeschreibliches Gefühl von Stolz und lässt mich tief ausatmen. Doch kaum versühre ich diese süße und berauschende Gefühl so spüre ich auch zorn. Menschen beschimpfen mich als Genie, staunen über den Tanz der Wörter die aus meiner Tinte entstehen, beneiden und bewundern mich. Doch wer bin ich schon? 180 Herzschläge pro Minute? 4 Liter Blut? Eine nie nachgewiesene Seele? Oder auch nur ein Opfer? Denn nun lebe ich vor mich hin ohne frei atmen zu können. Bin zu einem gefangenem meiner Gedanken geworden, sehe all das vor dem ich am liebsten meine Augen schließen würde. Doch ich kann nicht, anstatt sie zu schließen weinen meine matten Augen bittere Tränen. Ich sehe den Tod in seiner grausamsten Erscheinung, das Leid, die Verbrechen vor unseren Augen, den Schmerz der Opfer. Kämpfen möchte ich aus ganzem Herzen doch meine Hände sind gebunden aufgrund meiner mangelnden Erfahrung, meines Alters, meiner Herkunft und Gedanken. LAUT SCHREIEN! – ja, das möchte ich tun, doch ich stolpere über meine eigene Zunge, spreche Laute anstatt Wörter, sinnloses Gewirr anstatt Sätze. Voll Verzweiflung sitze ich dann vor einem leerem Blatt und versuche das was ich nicht sagen kann niederzuschreiben! Schweigsam bin ich geworden, distanziert zu mir und der Welt, stehe wie ein Zeuge daneben anstatt einzugreifen. Menschen sagen Ich sei arrogant, sehen meine Angst und Verzweiflung nicht. Vielleicht bin ich auch nur eine gute Schauspielerin die es niemandem erlaubt hinter ihre Fassade zu blicken. Doch was bringt mit ein Reichtum an Geschichten, ein Vermögen an Wörtern? - Nichts außer Einsamkeit. Jemand versucht mich weinend zu sehen, bittere Tränen fließen zu sehen. Doch er zeigt sich nie im Licht, bleibt im sicherem Schatten versteckt. „Wer bist du?“ „Zeig dich!“ Doch all mein Flehen, all meine Bitten bleiben unerhört. Wer bist du Fremder, der du mich leiden sehen möchtest? Zeige dich doch! - Denn dich zu finden übersteigt meine Kräfte. Dann suche ich halt lieber nach dem, der mir versprochen wurd, den der meine Seele siehe und in ihrem Labyrinth nicht verloren geht. Sei mir bitte wie ein Bruder, schenke mir deine Liebe bedingungslos und ich revangiere mich! Vielleicht bist du schon hier, stehst vor meinem Antlitz, schaust mir täglich in die Augen und ich sehe dich nicht? Vielleicht reichst du mir deine Hand, die ich nicht sehen kann oder will. WO sind die selben matten Augen die den Hades erblickt haben? WO? Denn wer, WER wünscht sich nicht jemanden zum Halten, zum Umarmen ... zum Beschützen? Wer weiß wie ich meinen Bruder oder meine Schwester noch Unbekannt lieben kann ohne verlacht zu werden? Soll mir doch endlich jemand sagen wieso ich noch immer allein bin, mein Seelengegenstück noch nicht gefunden hab. Soll es nicht für jeden einen Seelenverwandten geben? Wer denkt, fühlt und lebt wie ich? Wo ist der, der mein Spiegelbild ist? Nun stehe ich wieder vollkommen still hier über den Dächern, am Anfang eines nie endenden Kreislaufs angelangt. Finde ich den der zu mir passt hier? Wo soll ich nach ihm suchen? Es gibt genug Menschen auf der Welt, doch ich will den finden der mir alleine gilt, denn der nur zu mir passt. Alle Beziehungen der Welt sind gut, doch ich suche nach der die „perfekt“ ist. Kälte ordnet meine Gedanken? – Von wegen! Wider sind sie da, wieder überfallen sie mich.... ... meine traurigen und unendlichen Gedanken.
15.12.08 05:54
 


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